Was ist Web3?

15. Februar 2022

Verfasst von: Jackie Wiles

Web3 wird Web 2.0 im Unternehmen nicht vor Ende des Jahrzehnts ersetzen, aber wir können schon heute über eine Welt mit weniger Autorität und mehr automatisierter Geschäftsabwicklung sprechen.

Fazit:

  • Web3 macht Peer-to-Peer-Interaktionen zum Kernstück einer neuen Generation von Handel und Gesellschaft im Netz. Zentralisierte Plattformen, Server und Behörden als Hauptverantwortliche für den Informations- und Wertefluss werden abgeschafft.
  • Anfangs wird Web3 großen Unternehmen durch Anwendungen zugutekommen, die von neuen Blockchain-gestützten Geschäftsmodellen und sozialen und Gaming-Netzwerken profitieren.
  • Der erste Schritt für Geschäfts- und IT-Führungskräfte besteht darin, die wichtigsten Unterschiede zwischen Web3 und Web 2.0, die ersten Anwendungsfälle von Web3 und die damit verbundenen Technologien zu verstehen.

Der Begriff Web3 wurde durch Gavin Wood, den Mitbegründer von Ethereum, bekannt, der behauptet, dass eine Zentralisierung auf Dauer gesellschaftlich nicht durchführbar ist. Web3, auch Web 3 und Web 3.0 genannt, macht die zentralen Behörden und „Gatekeepern“ des Web 2.0, wie z. B. die großen Suchmaschinen und Social Media-Plattformen, überflüssig und ersetzt ihre Funktionen. 

„Web3-Innovationen werden das Internet in neue Bereiche führen und es werden Anwendungen entwickelt, die bisher nicht möglich waren“, sagt Avivah Litan, Herausragender VP Analyst bei Gartner. „Aber das Web 2.0 hat immer noch Vorteile in Bezug auf Umfang, Kundenservice und Kundenschutz. Potenzielle Web3-Risiken sind u. a. mangelnder Kundenschutz, neue Sicherheitsbedrohungen und die Rückkehr zu einer zentralisierten Kontrolle. Daher sollten Unternehmen ihre Governance und ihr Risikomanagement verbessern, bevor sie Web 2.0-Anwendungen ersetzen.“

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Warum ist Web3 anders

Web3 ist interessant, weil es Peer-to-Peer-Interaktionen ohne zentralisierte Plattformen und Vermittler ermöglicht. 

„Die Idee hinter dem Web war, jedem die Veröffentlichung zu ermöglichen; die Idee des Web 2.0 war, dass Leser auch Autoren sein sollten“, sagt Whit Andrews, herausragender VP Analyst bei Gartner. „Web3 soll jedem Teilnehmer im Web seine eigene autonome Macht und Kontrolle geben.“

Web3 verwendet eine Reihe von Technologien, die auf dezentralisierten Blockchains basieren und neue geschäftliche und soziale Modelle ermöglichen. Die Benutzer sind Eigentümer ihrer Daten, Identität, Inhalte und Algorithmen und sind als „Anteilseigner“ beteiligt, indem sie die Token oder Kryptowährungen des Protokolls besitzen. Dieses Eigentum verlagert Macht und Geld weg von zentralisierten „Gatekeepern“ des Web 2.0, wie z. B. großen Technologieunternehmen und Regierungen. 

Token und Kryptowährungen treiben die Geschäftsmodelle und die Ökonomie von Web3 an, was neue Geschäftsmöglichkeiten eröffnet, z. B. in Bezug auf die Monetarisierung von Non-Fungible Token (NFTs) in neuen Metaverse-Anwendungen.

Die Begriffe „Metaverse“ und „Web3“ werden oft miteinander vermischt, aber sie beschreiben eigentlich unterschiedliche – wenn auch zusammenhängende – Konzepte. Metaverse bezeichnet eine sich entwickelnde Vision einer digitalen Welt, in der wir unsere Zeit mit Arbeit, sozialen Kontakten und allen Arten von Aktivitäten verbringen. Web3 bietet dezentralisierte Protokolle und eine Reihe von Technologien, die verwendet werden können, um Teile eines Metaverse aufzubauen sowie die neuen Gemeinschaften und wirtschaftlichen Realitäten, die es ermöglichen wird.

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Anwendungsfälle von Web3

Bestehende Web3-Anwendungen sind auf Unternehmen beschränkt, aber öffentliche Anwendungen sind erfolgreich. Dazu gehören dezentralisierte Finanzen (DeFi), NFTs, Play-to-Earn-Spiele und von der Gemeinschaft organisierte, dezentralisierte, autonome Organisationen (DAOs). Zum Beispiel:

  • DeFi-Protokolle wie Aave und MakerDAO bieten Benutzern Kredit- und Leihdienstleistungen, die von Smart Contracts betrieben werden, die Vermittler ausschließen und so höhere Erträge und Renditen ermöglichen, allerdings mit viel mehr Risiko. 
  • Play-to-Earn-Spiele, die NFTs verwenden, bieten Benutzern die Möglichkeit, sich Geld zu verdienen. Solche Spiele haben auch gemeinnützige Organisationen hervorgebracht, die die Spieleinnahmen nutzen, um Stipendien für benachteiligte Benutzer zu finanzieren.
  • Urheber von Inhalten, wie z. B. Künstler, verkaufen ihre Werke mit Hilfe von NFT Smart Contracts, die sicherstellen, dass sie – und nicht Zwischenhändler – auf der Grundlage von Vertragsbedingungen bezahlt werden, die sie selbst festlegen, wenn sie z. B. ein Kunstwerk verkaufen.

Es gibt nur wenige Beispiele für den Erfolg von Web3 in etablierten Branchen, und große Unternehmen werden wahrscheinlich nur langsam Governance, Übersicht und Kontrolle über Anwendungen, die sie zusammen mit anderen Teilnehmern des digitalen Ökosystems nutzen, aufgeben, um zu Web3 zu wechseln. Nichtsdestotrotz werden die meisten Unternehmen letztlich Anwendungen und Prozesse implementieren wollen, die von der vertrauensminimierten Datenverarbeitung und den neuen Geschäftsmodellen und Möglichkeiten profitieren, die nur das Web3 ermöglichen dürfte.

Unterstützende Protokolle und Technologien

Zu den Protokollen und Technologien, die mit Web3 zusammenhängen und sich weiterentwickeln, gehören:

  • Vertrauenswürdige Datenverarbeitung außerhalb der Blockchain, unter Wahrung der Privatsphäre, kombiniert mit Smart Contracts in der Blockchain
  • Interoperabilität zwischen Blockchains, die es ermöglicht, Assets problemlos über isolierte Blockchains hinweg zu bewegen
  • Middleware-Abstraktionsebenen, die es Entwicklern erleichtern, portable Anwendungen zu implementieren
  • Skalierbarkeitslösungen, die den Aufwand für die Datenverarbeitung von primären Blockchains der Basisebene (Layer 1), wie Ethereum und Bitcoin, verringern
  • Verteilte, beständige und sichere Speichersysteme für Daten außerhalb der Blockchain, die mit Blockchains verbunden sind
  • Andere Technologien, wie Protokolle zur Wahrung der Privatsphäre (z. B. Null-Wissen-Beweise), die vertrauliche Informationen schützen, und KI-Modelle, die NFTs mit Intelligenz aufladen können

Der Vergleich zwischen Web 2.0 und Web3

Aspekt des Protokolls

Web 2.0

Web3

Vertrauensmodell

Zentralisierte Dienstleistungen, Server und Software

Vertrauen Sie den Unternehmen, die dahinter stehen.

Dezentralisiert; Peer-to-Peer; keine zentrale Autorität; kein einzelner Ausfallpunkt

Minimales Vertrauen – vertrauen Sie nur dem dezentralisierten Protokoll.

Governance

Konsolidierte Macht unter digitalen Giganten

Dezentralisierte autonome Organisationen (DAOs), bei denen die Governance an die Stakeholder (Inhaber von Governance-Token) verteilt wird

Geschäftsmodell

Die digitalen Giganten und Anbieter sind im Besitz von Kundendaten, die zum Erzielen von Einnahmen verwendet werden.

Das Blockchain-Netzwerk bezahlt Transaktionsprüfer für ihre Arbeit.

Die Spieltheorie wird eingesetzt, um die Integrität der Transaktionen zu gewährleisten.

Content

Dynamisch, benutzergeneriert

Quellinhalte können dupliziert werden.

In Benutzerhand und unabhängig von den Web-2.0-Dienstleistungen

Modelle zur Beteiligung der Benutzer

Kostenlose Dienstleistungen im Gegenzug für Benutzerdaten

Zahlungen an Vermittler für laufende Dienstleistungen und Software

Die Benutzer sind Eigentümer ihrer Daten und Inhalte und können diese zu Geld machen.

Zahlungen direkt an Transaktionsprüfer der Blockchain

Benutzeroberflächen

Web

Soziale Netzwerke

Mobile Apps

Dezentralisierte Apps (dApps)

Zentralisierte Marktplätze oder Dienstleistungen

Verfahren zur Benutzerauthentifizierung

Benutzer-IDs

Passwörter

Sonstige Authentifizierung

Privater Schlüssel, der den Zugang zu den Aufzeichnungen des Eigentümers auf einer Blockchain freigibt. Der private Schlüssel kann sich in einer selbst gehosteten Wallet oder einer Wallet eines Drittanbieters befinden.

Finanzsystem

Zentral verwaltet von Zentralbanken und anderen Finanzinstituten und -netzwerken

Ausgeführt von Smart Contracts (im Grunde „if, then else“-Skripte) und Blockchain-Protokollen

Es gibt keine zentrale Kontrolle und keine Vermittler, die Sie bezahlen müssen.

Währung

Zentral verwaltete, staatlich gestützte Währung (z. B. Währung, die von einer Bank oder einem Anbieter von Wertkonten verwaltet wird)

Kryptowährung, integriert in eine dezentralisierte Blockchain

Die Benutzer fungieren als ihre eigene Bank, können aber an eine zentralisierte Wechselstelle überweisen.