Strategische Annahmen aufbauen: Ignorieren Sie nicht diese 7 Triebkräfte des Wandels

9. Juli 2021
Verfasserin: Jackie Wiles

Achten Sie bei der Entwicklung einer Unternehmensstrategie darauf, diese sieben Disruptionsquellen einzugrenzen, um Ihre strategischen Annahmen und Strategiepläne entsprechend anzupassen.

Zukunftsfähige Unternehmen spüren und reagieren aktiv auf Disruptionen und sehen Veränderungen voraus. Dafür muss man jedoch rigoros und bewusst nach Trends Ausschau halten. Gartner unterteilt wichtige Trends und Disruptionen in sieben Hauptkategorien, damit Sie Planungsannahmen treffen können, die für Ihre Strategiepläne die größte Relevanz haben.

Eine kürzliche Gartner-Umfrage hat gezeigt, dass nur 38 % der Unternehmen über einen offiziellen Prozess für diese Art der Trenderkennung verfügen. „Die meisten Unternehmen befolgen einen Ad-hoc-Ansatz,“ so Marty Resnick, VP Analyst, Gartner. „Dies führt zu unkoordinierten Anstrengungen, die das Risiko bergen, dass Unternehmen nicht optimal von den positiven Auswirkungen eines offiziellen Ansatzes für die Entdeckung von Trends profitieren.“

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Mit einem bewussten Ansatz wird sichergestellt, dass leitende Führungskräfte auch Trends und Disruptionen außerhalb ihrer Kernverantwortlichkeiten betrachten, wo aufkommenden Trends möglicherweise vertrauter sind. Zum Beispiel sorgt dieser Ansatz dafür, dass IT-Führungskräfte über Technologietrends, die möglicherweise Auswirkungen haben können, hinausblicken. Das Ignorieren oder Abwerten von Nicht-Technologietrends führt nur zu Lücken im Strategieplanungsprozess, weil Ihre Eingaben unvollständig sind.

Einige Disruptionen sind offensichtlicher als andere. Daher muss das Entdecken von Trends eine Disziplin sein, die anhaltend und kontinuierlich verfolgt wird. „Häufig gibt es Wendepunkte und Überraschungen, die eine Branche erschüttern,“ so Resnick weiter. „Je schneller man diese erkennt, desto besser – und desto besser wird Ihr Unternehmen darin werden, wie es solche Dinge spürt und darauf reagiert.“

 

Ein „Teppich“ von miteinander verknüpften strategischen Annahmen

Es existieren Frameworks für die Eingrenzung von Umwelttrends und Makrotrends (u. a. PEST, PESTLE, STEEPLE), aber Gartner webt die sieben Kernbereiche disruptiver Veränderungen in einen „Trendteppich“ zusammen – um zu bestärken, wie sehr die Trendbereiche miteinander verknüpft sind (TPESTRE).

Die sieben Kernbereiche sind:

  1. Technologisch. Umfasst die Entwicklung, die Auswirkungen und die Disruption von technologischen Veränderungen.
  2. Politisch. Einstellungen, Institutionen und Gesetzgebung, die das politische Umfeld verändern.
  3. Wirtschaftlich. Faktoren des lokalen und globalen wirtschaftlichen Umfelds, die Unternehmen und Regierungen beeinflussen.
  4. Sozial/kulturell. Umfasst Einstellungen, Verhaltensweisen und Lebensweisen von Einzelpersonen und gesellschaftlichen Gruppen.
  5. Vertrauen/Ethik. Ethische Erwartungen, Verhaltensweisen, Pflichten und Voreingenommenheiten von Menschen und Unternehmen einander und der Gesellschaft gegenüber.
  6. Gesetzlich/rechtlich. Gesetzesänderungen und Änderungen der Regierungspolitik und der Vorschriften, um bestimmtes Verhalten zu belohnen oder zu bestrafen.
  7. Umwelt. Technische, politische, wirtschaftliche, kulturelle, ethische und rechtliche Veränderungen zur Förderung des Umweltschutzes und der Nachhaltigkeit.

Führungskräfte verschiedener Abteilungen und Teams können dieses TPESTRE-Konstrukt verwenden, um wichtige Trends zu identifizieren, im Rahmen der Planung der erforderlichen Maßnahmen in Bezug auf Geschäftsmodelle, Mitarbeiter/Kapazitäten und IT-Systeme die Auswirkungen dieser Trends zu analysieren und Planungsannahmen zu entwickeln.

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7 Antriebsfaktoren für die Änderung strategischer Annahmen

Die Analysten von Gartner halten regelmäßig nach wichtigen Entwicklungen in jedem der sieben Trendbereiche Ausschau und ihre Analysen im April 2021 haben drei potenzielle Disruptionen in jedem Bereich hervorgehoben. Analysten planten dann Signale, Planungsannahmen, Chancen und Risiken, die Führungskräfte sowohl in die Szenarioplanung als auch in die strategische Planung integrieren können.

Grafik, die einen Trendteppich für die Strategieplanung zeigt, einschließlich technologischer, politischer, wirtschaftlicher, sozialer/kultureller, Vertrauens-/Ethik-. gesetzlicher/rechtlicher und Umweltfaktoren.

Weitere Einzelheiten zu drei der Disruptionen umfassen Folgende:

 

Nr. 1 Technologietrend: Augmented Human Experience

Strategische Annahme von Gartner
  • Im Laufe des Jahres 2023 werden 30 % der IT-Unternehmen ihre Bring-your-own-device-Richtlinien (BYOD) zu „Bring-your-own-enhancement“ (BYOE) ausdehnen.
Was passiert?

Augmented Human Experience bezeichnet die Verbesserung menschlicher Fähigkeiten und Kapazitäten im technischen und wissenschaftlichen Bereich. Sie beeinflusst, wie sich Menschen in physischen und digitalen Räumen bewegen, wie sie diese wahrnehmen und wie sie in diesen Räumen interagieren, und hat Auswirkungen darauf, wie Menschen Informationen verarbeiten und speichern. Die Augmented Human Experience der Zukunft existiert an der Schnittstelle von medizinischen Technologien, Informationstechnologien, Gaming-Technologien und anderen digitalen Automatisierungssystemen.

Was sehen wir bereits?
  • Kognitive Erweiterung wird bereits eingesetzt und wird sich weiterhin schnell entwickeln.
  • Wearables und mobile Geräte mit KI-befähigten Diensten bieten heute Überwachungs- und Analysedienste für die persönliche Fitness und Gesundheit an.
  • Es gibt klare, aktuelle Belege dafür, dass sich die Unterscheidung zwischen medizinischer Gerätetechnik und Informationstechnologie auflöst.
Möglichkeiten

Fortschritte bei Prothesen, Sinneserweiterung, Gehirnimplantaten und mehr konzentrieren sich derzeit hauptsächlich darauf, Menschen mit Behinderungen in einem klinischen Umfeld zu helfen. Erweiterte Intelligenz (Augmented Intelligence) unter Einsatz von KI kann menschliche Grenzen kompensieren und eine Symbiose von Mensch und Maschine ermöglichen, um eine bessere menschliche Erfahrung zu liefern.

Risiken

Die Personalisierung und Anpassung physischer Erweiterungen könnte kostspielig sein und hochgradig reguliert werden. Man weiß nicht genau, ob menschliche Augmentation gesellschaftlich akzeptiert wird. Augmented Human Experience eröffnet neue Möglichkeiten für Cybersicherheitsangriffe und legt kommerziellen Unternehmen und Regierungsstellen mehr personenbezogene Daten offen. Wenn menschliche Augmentation vorgeschrieben ist oder bestimmten Gruppen nicht zur Verfügung steht, führt dies zu ethischen Herausforderungen.

 

Nr. 2. Soziale/kulturelle Trends: Arbeit neu definiert

Strategische Annahme von Gartner

Nach COVID-19 werden 48 % aller Angestellten großer Unternehmen mindestens einmal pro Woche von zu Hause arbeiten, im Vergleich zu 30 % vor COVID.

Was passiert?

Genau wie das Internet den Beginn eines neuen digitalen Zeitalters markierte, war COVID-19 der Beginn einer neuen Arbeitsära. Die Pandemie bietet die Gelegenheit, bewusst neu darüber nachzudenken, wo, wann und wie wir arbeiten – und Angestellte erwarten, dass sowohl sie selbst als auch ihre Arbeitgeber von den Ergebnissen profitieren werden. Mit der verstärkten Einführung von KI werden mehr und mehr Aufgaben von (physischen oder softwarebasierten) Robotern ausgeführt, welches zu einer Belegschaft führt, bei der die Arbeit sowohl von Robotern als auch von Menschen ausgeführt wird.

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Was sehen wir bereits?

Die Pandemie hat den Einsatz neuer Arbeitsmodelle normalisiert, zum Beispiel 80 % Arbeit für 80 % Gehalt, das Teilen von Mitarbeitern zwischen Arbeitgebern, das Anbieten neuer Normen über die standardmäßige 40-Stunden-Arbeitswoche hinaus.

Möglichkeiten

Flexible Arbeitsplatzstrategien könnten zu Kosteneinsparungen für entscheidende Mitarbeiter führen und den Talentpool möglicherweise vergrößern und vielfältiger gestalten. Eine erhöhte Automatisierung routinemäßiger Aufgaben kann das Verletzungs- und Infektionsrisiko für Mitarbeiter reduzieren.

Risiken

Vielen Unternehmen fehlen umfassende Belegschaftsstrategien und zentralisierte Systeme, mit deren Hilfe gemischte Beschäftigungsmodelle aufgezeigt, gemanagt und prognostiziert werden können. Wenn Teams räumlich voneinander getrennt sind und in einem Team viele verschiedene Beschäftigungsarten (Vollzeit, Teilzeit, Vertrag) vertreten sind, kann dies, wenn es nicht gut gemanagt wird, der Unternehmenskultur schaden. Die Zahlung gleicher Gehälter für die gleiche Arbeit wird ebenfalls schwieriger, wenn das Gehalt in verschiedenen Märkten gemanagt wird.

 

Nr. 3. Umwelttrend: Digital aktivierte Nachhaltigkeit

Strategische Annahme von Gartner
  • Digitale Informationen und Technologien können bis 2030 helfen, die Emission von Treibhausgasen (THG) global um 15 % zu reduzieren.
Was passiert?

Digital aktivierte Nachhaltigkeit setzt Daten, IT und Betriebstechnologie (Operational Technology, OT) ein, um die Emission von Treibhausgasen zu reduzieren. Die Komplexität der umwelttechnischen Nachhaltigkeitsdaten sowie die erforderlichen Erkenntnisse bedeuten, dass Unternehmen sich von der Norm der Erfassung von Daten auf einem Spreadsheet abwenden und stattdessen moderne Tools wie KI, Internet der Dinge (IoT) und Machine Learning (ML) einsetzen. Digitale Lösungen helfen, die Nachhaltigkeit über die bloße Einhaltung der Vorschriften hinaus zu fördern und diese auf neue Produkte und branchenübergreifende Ökosystemleistung zu übertragen.

Was sehen wir bereits?
  • Laut Schätzungen der Royal Society können digitale Lösungen im Vereinigten Königreich bis 2030 ein Drittel der Reduzierung von THG-Emissionen ausmachen.
  • Digitale Zwillinge (Digital twins) können den Ertrag von Windparks um 20 % erhöhen.
Möglichkeiten

Führungskräfte können existierende Technologie-Plattformen für Digital Business nutzen: KI, IoT, mobile Geräte, Blockchain und andere digitale Technologien können erhebliche Verbesserungen bei der Nachhaltigkeitsleistung von Unternehmen unterstützen und zu neuen Wachstumschancen führen.

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Risiken

Digital Business kann der Nachhaltigkeit schaden. So ist beispielsweise die CO2-Bilanz von Schulungen, selbst wenn viel KI eingesetzt wird, erheblich. Digital Business und Nachhaltigkeit werden außerdem häufig als separate Veränderungen betrachtet, welches die Auswirkungen von beiden Aspekten möglicherweise verringert.